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Wie kann man die Explosion vermeiden?

12 février 2010 lu 114 fois poster un commentaire

Kann man einen Kater mit einem doppelten Whisky kurieren? Kann man aus der Schuldenkrise herauskommen, indem man noch mehr Schulden anhäuft? In unseren gesamten Ländern sind viele über die Flucht nach vorn der Staatsfinanzen beunruhigt aber alle wissen, dass bei unserer jetzigen Wirtschaftlage das Anhalten der Defizite dazu führen würde, in einer tiefen Rezession zu versinken. „Unter dem jetzigen Aufschwung liegt eine Bombe, die Staatsverschuldung“ betonte vor kurzem Pascal Lamy, der Generaldirektor der WTO, aber er riet dennoch nicht dazu, die Defizite zu stoppen. Wofür sollte man sich entscheiden? In dem Abgrund der Rezession unterzugehen (sofort) oder in die Schuldenmauer zu rasen (in einigen Jahren)?

In 15 Monaten sind die Staatsschulden der Vereinigten Staaten um 2.000 Milliarden gestiegen, d.h. 14% des amerikanischen BIP. Um einen völligen Zusammenbruch ihrer Wirtschaft zu vermeiden, haben die Vereinigten Staaten innerhalb von fünfzehn Monaten das Äquivalent aller innerhalb von zwanzig Jahren von China angehäuften Reserven „abgefackelt“.

Was China angeht ist es untertrieben zu sagen, dass seine Wirtschaft instabil ist: „88% des Wachstums kommt aus der Kapitalinvestition. Bisher wurde in keinem anderen Land ein derartig unausgewogenes Wachstum beobachtet “ erklärt Stephen Roach, leitender Wirtschaftswissenschaftler von Morgan Stanley. Um die Rezession zu vermeiden hat die chinesische Regierung ein Belebungsprogramm in Höhe von 13% des BIP eingeleitet und die Banken gezwungen, ein Maximum an Krediten zu vergeben. Innerhalb von einem Jahr haben die chinesische Banken Kredite für mehr als 30% des BIP vergeben. So etwas hat es noch nie gegeben. In keinem Land der Welt!

Abb. 1 China: durch die Banken vergebenes Kreditvolumen

Die chinesische Genesung ist weder stabil, noch solide, noch ausgeglichen“ gab am 10. September der Premierminister, Wen Jiabao, zu. Am selben Tag behauptete Xu Xionan, Professor bei der China Europe International Business School: „Um seinen Durst zu löschen, hat China Gift getrunken“.

Paul Krugman, Wirtschaftsnobelpreisträger, schätzt, dass die Risiken einer Rückkehr zur Rezession schon Ende 2010 zwischen „30 bis 40% liegen“. Der ehemalige leitende Wirtschaftswissenschaftler des IFM, Simon Johnson, behauptet, dass wir uns „eine riesige Katastrophe bereiten“. In November hat die Société Générale Ihren vermögendsten Kunden einen Bericht geschickt, in dem sie das Risiko eines „global collapse“, eines allgemeinen Zusammenbruchs der Märkte, herausstellte. Nur noch Nicolas Sarkosy traut sich öffentlich zu verkünden, dass „alles dafür spricht, dass das Wachstum wiederkommt“…

Der Paulson Plan ist eine Bluttransfusion für einen Kranken, der an einer inneren Blutung leidet“ behauptete in Oktober 2008 Joseph Stiglitz, Wirtschaftsnobelpreisträger. Ein Jahr später hat sich nichts geändert: Unsere Wirtschaften bekommen Transfusionen von Trilliarden von Dollar, ohne dass die „innere Blutung“ behandelt wird. Um die Explosion zu vermeiden, um den global collapse zu vermeiden, ist es grundsächlich notwendig zu verstehen, wo die innere Blutung, von der Stiglitz spricht, ist: Warum fällt die Wirtschaft in all unseren Ländern in die Rezession, wenn man die Schulden nicht erhöht? Warum sind all unsere Wirtschaften so Schulden- “süchtig“? Wie kann man sie entwöhnen?

Wenn man die Entwicklung der Staatsschuld in den Vereinigten Staaten in den 50 letzten Jahren verfolgt, versteht man die tiefen Gründe dieser Sucht. Bis 1981 war das Verhältnis Schuld/BIP völlig stabil. Die Wirtschaft brauchte keine Schulden, um regelmäßig zu wachsen. Kollektive Regeln sicherten eine regelmäßige Progression der Löhne und eine gerechte Aufteilung der Produktivität zwischen Lohnempfänger und Aktionäre. Dieser „Ford-Kompromiss“ hat den Vereinigten Staaten 30 Jahre Stabilität gegeben. Ohne Schulden.

Aber Ronald Reagan kommt 1981 in das weiße Haus. Die Liberalen senken die Steuern für die Reichsten, was zu einer Minderung der Steuereinnahmen und einer Steigerung der Staatsschulden führt. Die Schuld wächst vor allem, weil die Deregulierungspolitik auf Grund der Lohnentwicklung ein Sinken des BIPs bewirkt. Ab diesem Zeitpunkt fangen Millionen von Amerikaner an, sich zu verschulden, um ihren Lebensstandard aufrecht zu halten.

Abb. 3 Gesamte Staatsschuld in den Vereinigten Staaten seit 1952 (Schulden des Finanzsektors nicht inbegriffen); Quelle: Bundesreserve

Die Vereinigten Staaten sind keine Ausnahme: In allen der 15 reichsten Länder der OECD betrug 1982 der Anteil der Löhne 67% des BIP. Jetzt sind es nur noch 57%.

Abb. 4 Anteil der Löhne am Mehrwert der Betriebe

Der Anteil der Löhne war am Ende der 70er Jahre ohne Zweifel etwas zu hoch, aber ein Absinken um 10 Punkte ist kolossal. Es lastet sehr schwer auf dem Verbrauch der privaten Haushalte. Die Bank für Internationale Zahlungen, die „Zentralbank der Zentralbanken“, wies schon in Juli 2003 auf das Risiko einer Weltrezession mangels Verbraucher hin.

Wie lässt sich die Senkung der Löhne erklären? In all unseren Ländern hat die Angst vor der Arbeitslosigkeit die Lohnverhandlungen stark aus dem Gleichgewicht gebracht: „Bist du nicht zufrieden, kannst du woanders hingehen“. Selbst vor der Krise der subprimes, gab es in Japan 32% prekäre Beschäftigungen; es gab in Deutschland 4 Millionen Arbeitslose und 6 Millionen kleine Jobs. Selbst vor Ausbruch der Krise, zu der Zeit als die Vereinigten Staaten offiziell in einer Lage von Vollbeschäftigung waren, gab es in Wirklichkeit so viele bad jobs mit 10 oder 15 Stunden pro Woche, dass die durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche – ohne Berücksichtigung der Arbeitslosen – auf 33,7 Stunden gesunken war (Quelle Economic Report of the President 2007).

Abb. 5 Arbeitszeit in den Vereinigten Staaten seit 1965 - - - - Beschäftigung in der Industrie ____ Durchschnittliche Arbeitszeit (alle Beschäftigungen zusammen)

In diesem Kontext von Arbeitslosigkeit und Massenunsicherheit, welcher Lohnempfänger ist in der Lage über eine Lohnerhöhung zu verhandeln? Wer kann „seine Stelle kündigen“ und dabei hoffen, ziemlich schnell eine andere Stelle zu finden? Die Angst vor der Arbeitslosigkeit ist in allen Köpfen. Diese Angst hat die Verhandlungen zutiefst aus dem Gleichgewicht gerissen und der Anteil der Löhne hat ein historisches Tief erreicht. Während Jahren funktionierte das System nur deshalb, weil die Kaufkraft nicht durch Lohnentgelt sondern durch Schuldenaufnahme erlangt wurde, aber die Flucht nach Vorn hat Grenzen….

Bist du nicht zufrieden, kannst du woanders hingehen“

Die Wurzeln der Finanzkrise sind 30 Jahre Arbeitslosigkeit und Ungewissheit. Die Massenarbeitslosigkeit hat das Sinken der Anteil an Löhnen verursacht. Die Arbeitslosigkeit ist nicht nur eine der Konsequenzen der Krise. Sie ist eine der Grundursachen. Um die Explosion zu vermeiden, um die „Blutung“ zu stillen, muss man daher frontal die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Nur in dem man der größtmöglichen Zahl an Leuten eine echte Arbeitsstelle und eine echte Fähigkeit zu Lohnverhandlungen gibt, wird man aus der Krise kommen.

Nicolas Sarkozy hat leider bis zur Halbzeit seines Mandats immer noch nichts Nutzvolles in dieser Hinsicht vollbracht. Die Zahl der Arbeitslosen ist innerhalb von achtzehn Monaten um 800.000 gestiegen und Pôle Emploi verkündet, dass eine Million Arbeitslose 2010 das Ende der Berücksichtigungsfähigkeit erreichen werden, aber Sarkozy schaut weg… Dennoch ist es in diesem Bereich nicht nötig, einen Konsens der G20 zu erlangen, um handeln zu können: Dänemark und die Niederlande haben gezeigt, dass man auf Staatsebene einen neuen Gesellschaftsvertrag aufbauen und die Arbeitslosigkeit um 50% reduzieren kann. „Wie kann man die Arbeitslosigkeit und die Unsicherheit besiegen, um aus der Krise herauszukommen?“ Dies ist die große nationale Debatte, die Nicolas Sarkozy in Gang bringen sollte.

Pierre LARROUTUROU ist Wirtschaftswissenschaftler und Mitglied des Exekutivbüros von Europe Ecologie.

Letztes veröffentlichtes Buch: Krise: die verbotene Lösung bei DDB.

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